Mikroplastik in Kosmetik: EU-Verbot, Fristen und wie du es in der INCI-Liste erkennst
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Mikroplastik in Kosmetik ist seit Jahren ein Thema – und seit Oktober 2023 auch ein rechtliches. Die EU hat beschlossen, absichtlich zugesetztes Mikroplastik schrittweise zu verbieten. Doch was genau zählt als Mikroplastik? Ab wann gilt das Verbot für Duschgel oder Creme? Und wie erkennst du Kunststoffe in der Zutatenliste, wenn auf der Verpackung nichts dazu steht? In diesem Beitrag erklären wir die Begriffe, die Fristen bis 2035 und die wichtigsten INCI-Namen. Und weil wir selbst Kosmetik verkaufen, prüfen wir am Ende ehrlich die Zutatenlisten unserer eigenen VEGAN FOX Produkte.
Inhalt10
- Was ist Mikroplastik?
- Wo Kunststoffe in Kosmetik typischerweise stecken
- Feste und flüssige Kunststoffe: der wichtige Unterschied
- Das EU-Verbot: Fristen im Überblick
- Mikroplastik in Kosmetik in der INCI-Liste erkennen
- Unser ehrlicher INCI-Check: VEGAN FOX
- So vermeidest du Mikroplastik in Kosmetik
- Ist Mikroplastik in Kosmetik gesundheitsschädlich?
- Fazit
- Häufige Fragen
Was ist Mikroplastik?
Nach der Definition der EU sind Mikroplastik synthetische, feste, wasserunlösliche und biologisch nicht abbaubare Kunststoffteilchen, die kleiner als 5 mm sind. Man unterscheidet zwei Arten:
- Primäres Mikroplastik wird Produkten absichtlich zugesetzt, zum Beispiel als Schleifkörnchen in Peelings, als Glitzer oder als Füllstoff.
- Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Kunststoffteile zerfallen, etwa Verpackungen, Reifen oder Kleidung aus Synthetikfasern.
Für Kosmetik ist vor allem primäres Mikroplastik relevant. Es gelangt über das Abwasser in Kläranlagen, die es nicht vollständig herausfiltern können, und von dort in Flüsse, Seen und Meere.
Wo Kunststoffe in Kosmetik typischerweise stecken
Kunststoffe übernehmen in Kosmetik ganz unterschiedliche Aufgaben. Typische Beispiele:
- Peelings: Früher waren Kunststoffkörnchen als Schleifkörper verbreitet, heute sind sie verboten.
- Duschgel und Shampoo: Polymere dienen als Verdicker, Trübungsmittel für einen cremigen Look oder als Conditioner, die das Hautgefühl verändern.
- Cremes und Lotionen: Silikone und Acrylate sorgen für ein glattes Gefühl beim Auftragen und eine stabile Konsistenz.
- Make-up und Sonnenschutz: Kunststoffe bilden Filme, verbessern die Haftung oder sind als Glitzer enthalten.
Mikroplastik in Kosmetik ist also kein reines Peeling-Thema, sondern kann in sehr verschiedenen Produkten vorkommen.
Feste und flüssige Kunststoffe: der wichtige Unterschied
Neben festen Teilchen stecken in vielen Produkten auch Kunststoffe in flüssiger, gel- oder wachsartiger Form. Sie dienen zum Beispiel als Filmbildner, Verdicker oder Trübungsmittel. Diese gelösten oder flüssigen Polymere fallen nicht unter die EU-Definition von Mikroplastik, werden aber von Umweltverbänden und der Verbraucherzentrale ebenfalls kritisch gesehen, weil viele von ihnen schwer abbaubar sind. Das Problem für dich beim Einkauf: Die INCI-Bezeichnung verrät meist nicht, ob ein Kunststoff fest oder flüssig vorliegt.
Das EU-Verbot: Fristen im Überblick
Grundlage ist die Verordnung (EU) 2023/2055. Sie verbietet das Inverkehrbringen von Mikroplastik in Produkten schrittweise. Für Mikroplastik in Kosmetik und verwandten Produkten gelten laut Verbraucherzentrale diese Stufen:
| Ab | Was betroffen ist | Beispiele |
|---|---|---|
| Oktober 2023 | Mikroplastikperlen (Microbeads) als Schleif-, Polier- oder Reinigungskörper | Peelings mit Kunststoffkörnchen, loser Glitzer |
| 17. Oktober 2027 | Abwaschbare Kosmetik (Rinse-off) | Duschgel, Shampoo |
| 17. Oktober 2029 | Kosmetik, die auf Haut oder Haaren verbleibt (Leave-on) | Cremes, Lotionen, Haargel |
| 17. Oktober 2035 | Dekorative Kosmetik | Lippenstift, Nagellack, Make-up |
Wichtig: Die Übergangsfristen bedeuten, dass Mikroplastik in Kosmetik je nach Produktart noch einige Jahre legal im Handel sein kann. Und flüssige Polymere sind von der Regelung nicht erfasst.
Mikroplastik in Kosmetik in der INCI-Liste erkennen
Auf der Verpackung steht selten „enthält Mikroplastik“. Du musst also die Zutatenliste lesen. Wie eine INCI-Liste grundsätzlich aufgebaut ist, erklären wir im Beitrag INCI-Liste lesen. Diese Bezeichnungen nennt die Verbraucherzentrale als Hinweis auf Kunststoffe:
- Acrylate: Acrylates Copolymer, Acrylates Crosspolymer und ähnliche Verbindungen mit „Acrylate“ im Namen
- Klassische Kunststoffe: Polyethylene (PE), Polypropylene (PP), Polystyrene (PS), Polyurethane (PUR), Polyethylene Terephthalate (PET), Polyamide bzw. Nylon
- Polyquaternium mit einer Nummer, zum Beispiel Polyquaternium-7
- Polyethylene Glycol (PEG) und Polypropylene Glycol (PPG), laut Verbraucherzentrale ab einer bestimmten Kettenlänge schwer abbaubar
- Silikone wie Dimethicone oder Cyclomethicone
- Allgemein: das Wort „Polymer“ in der Bezeichnung
Nicht jede Silbe „Poly“ bedeutet Kunststoff. Polyglyceryl-Verbindungen etwa sind Emulgatoren auf Basis von Glycerin. Im Zweifel helfen Apps wie ToxFox vom BUND beim Einordnen. Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet laut Verbraucherzentrale auf Kunststoffe auf Erdölbasis.
Unser ehrlicher INCI-Check: VEGAN FOX
Wir verkaufen selbst Kosmetik, deshalb haben wir die Zutatenlisten der VEGAN FOX Produkte aus diesem Beitrag anhand der oben genannten Bezeichnungen geprüft. Wichtig: Das ist ein Abgleich der INCI-Listen, keine Laboranalyse. Ob ein Polymer fest oder flüssig vorliegt, lässt sich aus der INCI nicht ablesen.
| Produkt | Schleifkörper / Basis | Kunststoff-Bezeichnungen laut Liste oben |
|---|---|---|
| Körperpeelings Ingwer, Pfefferminze, Kaffee | Salz, Aprikosenkernpulver, je nach Sorte Ingwer, Minzblätter oder Kaffee | Keine gefunden |
| Handcreme Mangobutter & Avocadoöl | Avocadoöl, Mangobutter, Glycerin | Keine gefunden (Polyglyceryl-3 Methylglucose Distearate ist ein Emulgator, kein Kunststoff) |
| Duschgel Lindenblüte und Rote Traube | Tenside, Aloe Vera, Panthenol, Betain | Polyquaternium-7 |
| Duschgel Grapefruit | Tenside, Aloe Vera, Panthenol, Betain | Polyquaternium-7, Sodium Styrene/Acrylates Copolymer |
Das Ergebnis ist gemischt, und wir schreiben es so, wie es ist: Die Peelings arbeiten mit Salz, Aprikosenkernen und je nach Sorte Kaffee oder Pflanzenteilen – Kunststoffkörnchen sind nicht enthalten. In der Handcreme mit Mangobutter haben wir keine der genannten Kunststoff-Bezeichnungen gefunden. Das Duschgel enthält dagegen in allen drei Düften Polyquaternium-7, die Grapefruit-Variante zusätzlich ein Styrol-Acrylat-Copolymer. Beide gehören zu den Stoffen, die die Verbraucherzentrale als Kunststoffe in Kosmetik aufführt. Wer solche Polymere grundsätzlich meiden möchte, sollte das beim Duschgel wissen.
So vermeidest du Mikroplastik in Kosmetik
- INCI-Liste lesen: Achte auf die Bezeichnungen aus der Liste oben.
- Peelings mit natürlichen Schleifkörpern wählen: Salz, Zucker, Kaffee oder Kernpulver statt Kunststoff. Seit 2023 sind Microbeads in Peelings ohnehin verboten. Wie du ein solches Peeling anwendest, steht im Beitrag Körperpeeling richtig anwenden.
- Auf Siegel achten: Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet auf erdölbasierte Kunststoffe. „Vegan“ allein sagt dagegen nichts über Kunststoffe aus – mehr dazu in Vegane Kosmetik: Was „vegan“ wirklich bedeutet.
- Apps nutzen: ToxFox vom BUND scannt den Barcode und zeigt Kunststoffe an.
- Weniger ist mehr: Sparsam dosieren reduziert alles, was ins Abwasser gelangt.
Auch Textilien geben beim Waschen Fasern ab. Naturfasern wie Baumwolle sind dabei kein Kunststoff – ein Hamamtuch aus Baumwolle verliert also kein Mikroplastik. Was Siegel wie OEKO-TEX bei Textilien bedeuten, erklären wir im Beitrag Hamamtuch mit OEKO-TEX, GOTS oder Bio.
Ist Mikroplastik in Kosmetik gesundheitsschädlich?
Ob und in welchem Umfang Mikroplastik aus Kosmetik der Gesundheit schadet, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Unstrittig ist, dass es sich in der Umwelt anreichert, weil es kaum abgebaut wird. Das EU-Verbot zielt deshalb vor allem auf den Umweltschutz. Bei konkreten gesundheitlichen Fragen ärztlich abklären.
Passend dazu: INCI-Liste lesen: So verstehst du die Inhaltsstoffe deiner Kosmetik · Vegane Kosmetik: Was „vegan“ wirklich bedeutet – und was nicht · Körperpeeling richtig anwenden: Arten, Häufigkeit und Schritt-für-Schritt-Anleitung
Fazit
Mikroplastik in Kosmetik wird in der EU schrittweise verboten: Microbeads seit 2023, abwaschbare Produkte ab Oktober 2027, Cremes und Lotionen ab Oktober 2029, Make-up ab 2035. Flüssige Kunststoffe bleiben erlaubt. Wer Kunststoffe meiden möchte, liest die INCI-Liste und achtet auf Begriffe wie Acrylates, Polyethylene oder Polyquaternium. Auch bei unseren eigenen Produkten lohnt der Blick: Peelings und Mangobutter-Handcreme kommen ohne die genannten Kunststoffe aus, unser Duschgel enthält Polyquaternium-7.
Häufige Fragen
Ist Mikroplastik in Kosmetik schon verboten?
Teilweise. Seit Oktober 2023 sind Microbeads als Schleifkörper verboten. Für abwaschbare Kosmetik gilt das Verbot ab 17. Oktober 2027, für Leave-on-Produkte ab 17. Oktober 2029, für Make-up, Lippenstift und Nagellack ab 17. Oktober 2035.
Woran erkenne ich Mikroplastik in Kosmetik?
An INCI-Namen wie Polyethylene, Polypropylene, Acrylates Copolymer, Nylon, Polyquaternium oder allgemein Begriffen mit „Polymer“. Ob ein Stoff fest oder flüssig ist, verrät die INCI-Liste allerdings nicht.
Sind flüssige Kunststoffe auch Mikroplastik?
Nach der EU-Definition nicht, weil Mikroplastik dort als feste Teilchen definiert ist. Umweltverbände und die Verbraucherzentrale sehen flüssige Polymere trotzdem kritisch, weil viele schwer abbaubar sind.
Ist vegane Kosmetik frei von Mikroplastik?
Nicht automatisch. „Vegan“ bedeutet nur, dass keine tierischen Inhaltsstoffe enthalten sind. Kunststoffe sind synthetisch und damit ebenfalls vegan.
Enthalten die VEGAN FOX Peelings Mikroplastik?
Laut INCI-Liste nicht. Die Schleifkörper sind Salz, Aprikosenkernpulver und je nach Sorte Ingwer, Minzblätter oder Kaffee.
Persönlich geschrieben von Martin – Gründer von BeachAndSteam und seit über 18 Jahren Saunabetreiber am Kulkwitzer See.
